Livres - Bücher, tageblatt Beilage zur Nr. 17, 2017   


Geckeg Schieter

 

D’Gewan huet sech geluecht. Ewéi wann se krank wär. Den Himmel ass voller Stären. Ech kinnt och schreiwen: d’Stäre leien iwwert der Gewan. Esou wéi de Mound am Waasser läit, den Owend. D’Sprooch ass eng aner Manéier fir ze kucken. Awer d’Gewan kuckt net. Si schwätzt och net, obwuel, wann ech genee lauschteren, elo an der Däischtert: ech héieren de Wand, ewéi e schwéieren Otem. Ech héieren, wann ech d’Ouere spëtzen, e puer Kéi, déi op der Weed stinn, iergendwou, hannenaus, no beim Bësch muss et sinn, an déi d’Gras Putsch ëm Putsch aus dem Buedem rappen, roueg, haart, regelméisseg.

Ech sëtze mech op de bëtongs Sockel vun enger Bänk, wou d’Holz huddel a fatz geschloe gouf. Mat laange Spläiteren am Wee läit. Ech hunn op eemol den Androck, dass d’Pottoen an den Drot ronderëm d’Perchen, elo an der Däischtert, nëmme ganz neelech uneneen hänken, net ewéi am Dag, wann se zolitt organiséiert an der heller Lut stinn. Esouguer den dréiwe Mound saust elo virun d’Wolleken, zitt eegenaarteg Bunnen am Nuetshimmel: oval sinn se, dann nees véiereckeg, dann héich erop bei d’Stären, déi no alle Säite sprutzen. Ewéi wann eng Keeleklatz géing iwwert den Diddelenger Roudebierg gejummt ginn, esou trëllen d’Beem an d’Hecken duercherneen. D’Karblumme wuessen an de roude Buedem an zéien d’Feierblumme mat erof.  D’Weesskären dréinen e wëllen Danz op hiren Hällem, rëselen sech, ewéi wann se vun hire Stiller wéilte sprangen, fir mat Milliounen iwwert d’Feld ze knësteren. All eenzelne Lutpunkt um Wee spillt seng Roll, dréint säi Krees, blëtzt iwwerdeems, glënnert a fonkelt.

D’Diddelenger Gewan, nuets, ass en Ofstiecher wäert, bei d’Spläitere vun der Bänk. Mueres fréi, am éischten Niwwel, leien d’Kéi an der Perch an dreeme vun de geckege Schieter, déi sech iwwert hir Bockele geluecht hunn.   JB

 

 

 


Hello, happiness, my old friend 1

Einige Notizen über das Lesen und das Schreiben

 

Eigentlich sind, seit es das Buch gibt, derart viele Überlegungen über sein Wesen vorgetragen oder geschrieben worden, über seine Magie, gleichfalls über die Wichtigkeit in heutiger Zeit wieder, oder besser, noch immer zu lesen, dass ich der Meinung bin, ihnen wäre prinzipiell nichts hinzuzufügen.  

Also wäre es angebracht, dass ich die Tastatur jetzt, in diesem Augenblick ruhen ließe, den Mac herunterfahren und...ja, ein Buch zur Hand nehmen sollte, eine dieser klassisch gebundenen Schönheiten, die mir Wegbegleiter geworden sind, aus dem Regal ziehen,  vorsichtig in die Hand nehmen, aufschlagen sollte, die erste Seite...an eine kultische Handlung fast, so kommt es mir vor, denke ich, wenn ich beschreibe wie ich mit Büchern umzugehen pflege.

Daran schuld ist zum ersten die eigene Biografie. Die mit einem Buch beginnt. Die Geburtsurkunde wurde einem Register beigefügt. Was ja auch eine Art Buch ist. Danach das Taufregister. Und wenn sie nicht gestorben sind: Die Sterbeurkunde wird gleichfalls in eine Art Buch gesteckt werden. So ergeht es jedermann. Normalerweise. Und so erhalten Märchen von Beginn an ihre Wichtigkeit: in der Erzählung, wo die Sprache, die Laute, die Betonung sich ihren Weg ins kindliche Ohr suchen und so ganz nebenbei die Wege abkürzen: Wie rapide fliegt doch Münchhausen auf der Kanonenkugel durch die Wolken! Wie schnell besiegt Siegfried den Drachen! Man brauchte die Bilder nicht zu sehen, um auf ihnen zu tanzen. Weiter: mein Münchhausen war nicht der meines Bruders. Mein Drachen war nicht der, den meine Tante vor dem inneren Auge hatte, als sie mir vorlas. Und doch gab es so viele Barone und Drachen, wie wir Kinder waren, indem sie für jeden von uns eine eigene Gestalt annahmen, sich unserer Fantasie unterordneten und sie gleichzeitig beflügelten. Die Abenteuer eines Tom Sawyer, Napoleon in „Krieg und Frieden“, die Gebrüder Karamasow, „Die Geschichte vom Prinzen Genij“, „Tausend und eine Nacht“, die Verse von Georg Trakl, die Landschaften von Peter Rosei, die Ausflüge eines Roger Manderscheid: es sind Gedanken, die sich zu Kapiteln, Romanen und Novellen verdichtet haben, die mich begleiten, immer noch, weil sie Teil von mir selbst geworden sind, weil sie seit Jahrzehnten Trauer und Freude, Wissen, Einsamkeit, Erotik und Utopien mit mir teilen. Großzügig. Und Antworten geben, freigiebig, wenn ich sie danach frage. Sie sind Aufklärer, Lehrmeister, Dialogpartner, Soziologen, Wissenschaftler, Philosophen, Geschichtenerzähler und Künstler in einem, diese Schriftsteller, indem sie mich lehren die eigenen Bilder im Kopf so zu zeichnen, dass ich das Geschrei der Welt, gleichwohl ihre Schönheit, in aller Stille zumindest ansatzweise deuten kann.

Bücher sind Ufos im Anflug. Gute Aliens? Schlechte Aliens? Es gab gottgefällige Geschichtchen in meiner Bibliothek und Naturheilkundebüchlein, sanfte Gute Nachtbändchen. Ich hielt Biographien über Nero und Hitler in den Händen. Man liest Rezensionen und Kommentare, hört in Talkrunden hinein. Es gibt tendenziöse und menschenverachtende Texte. Sie lehrten mich vorsichtig zu werden. Es gibt Überangebote von unnützen und geschwätzigen Texten. Es gibt viele literarische Meisterwerke. Einige davon gelesen zu haben, sie in meiner Bibliothek stehen zu haben, als Kompagnons meines Lebens: sie sind ein Gut, das ich weder geistig, noch in seiner Materialität je missen möchte.

Bleiben wir einen Moment beim Einband: Ja, man kann sie schätzen, diese Grafiken, diese dem Buchdeckel angedichteten Werbungen, die uns dazu verführen sollen, es doch einmal mit dem Inhalt zu versuchen. Es im Buchladen zu wagen, die Seiten aufzuschlagen, ein bisschen in den Kapiteln zu schmökern. Sehr ansprechend können sie sein, die Schrift, der Abstand der Zeilen, die Arbeit des Buchbinders. Sie alle laden ein: du kaufst, ich kaufe. Ein Treffer, möchte ich sagen, wenn der Inhalt das hält, was der Einband verspricht. Ich lehne e-books nicht prinzipiell ab. Loin de là. Nur gefällt es mir, als ein Mensch, der die Beschäftigung liebt mit Bildern, die zuallererst fürs Auge geschaffen wurden, auch den Gehalt eines Buches, zuerst sinnlich, ja leidenschaftlich zu erfassen, seine Form abzutasten, zu fühlen, zu riechen, auf zahlreichen Seiten, in warmem Weiß, fest gedruckt oder auf zartem Papier, fast zerbrechlich, auf den Fingern zu spüren. Was ich, bei allem Erstaunen über den technischen Fortschritt, dem e-book nicht zutraue. Aber, es ist vielleicht nur eine Frage der Zeit, ehe der kleine Schirm parfümiert daherkommt, knistert und raschelt, Lesezeichen im 3D ausspuckt, nach Lust und Laune oder nach Bedarf des Lesers, natürlich.

Es wundert mich nicht mehr, wie ich zum Schreiben gekommen bin. Im Jahr 2000. Dank Roger 2. Vielleicht auch, weil ich ein kommunikationsfreudiger Mensch bin. Über alles und jedes diskutieren möchte. Weil ich wissen möchte, lesen sowieso, und suchen will, mühselig. Wunderschön klingt es, dieses Klappern, Dingeln, dieses Ticken und Tackeln auf den weißen Knöpfen, dieses Herumspazieren im Alphabet, wo sich Bilder um Bilder zusammenfügen, Kopfbilder, Herzbilder, Fuß-und Zehenbilder, wo liebevolle, helle und graue, komische, einen Salto schlagende, mitunter tintentiefschwarze Miniaturen sich die Hand geben, weil es notwendig ist gedanklich zu verbinden, wo es physisch nichts mehr zu trennen gibt, da dieser Akt schon längst vollzogen wurde. Dieser Garten der schreibenden Lust: ich spüre ihn in mir, schmecke ihn auf der Haut, inmitten eines traumbewachsenen Rasens. Natürlich hoffe ich, dass jemand meine Texte liest. Später. Nicht nur im Verlag. Wenn sie gedruckt sind, schön gebunden und mit illustriertem Einband im Regal warten. 

Ein Kunde betritt den Buchladen. Und hält sich den kürzlich herausgegebenen Roman eines Autorenkollegen unter die Nasenflügel, seufzt und schüttelt den Kopf und wundert sich, dass in Luxemburg Bücher geschrieben werden. Und kauft ein Exemplar. Großartig! Weil er vielleicht wie ich, Antworten sucht. In schwieriger Zeit. Um zu verstehen, ein bisschen. Zu begreifen, was Freunde sind: Happiness (is) only real, when shared. 3  JB

 

 1 cf. „The Sound of Silence“, Simon and Garfunkel, 1964

 2 Roger Manderscheid

 3 Cris McCandless, Into The Wild, 2007

 

 Veröffentlichung anlässlich

20 Joer Initiativ Freed um Liesen

 

mit Beiträgen von di Bartolomeo Mars, Arend Guy, Meisch Claude, Achetegui Ainhoa, Andonovic Vesna, Jean Back,

Beck Simone, Berg Charles, Brasseur Anne, Brimaire-Bremer Monette, Conter Claude D, Dockendorf Guy, Fayot Ben, Garcia Robert, Goetzinger Germaine, Greisch Pol, Jacobs Marie-Josée, Junker Marja Leena, Kayser Lucien, Kieffer Monique, Kirps Josée, Klein Mars, Krieps Vicky, Lehners Jean-Paul, Limpach Marc, Maroldt Ed, Mart Caroline, Meyer Roland, Oxaceley Alexandra, Pauly Michel, Reuter Alex, Reuter Jérome, Scuto Denis, Zuccoli Laura. Vorwort von Claudia Schneider-Schoo, Präsidentin der Initiative 'Freed um Liesen'

 

 

 

 


En Epicier ouni Äerm, dee sech um Gaalgebierg

wëllt d'Liewen huelen, de Strack schonn ëm den Hals geluecht an d'Prothesen ewechgehäit. En Taxidermist, deen zu Monaco Vakanz vom Déierenopstoppe mécht an d'Anna aus Lybien kenneléiert an tëscht deem senger batterer Realität an der eegener Fantasie hin-an hirgerappt gëtt. An e Camionschauffer, deen op der Sich no sengem Alter Ego queesch durch Europa rullt, zesumme mam Luis, dem Homard.

An deenen dräi Monologe sinn aussergewéinlech Mënschen an ongewinnte Situatioune beschriwwen. Emol grotesk, emol ironesch awer ëmmer mat Humor kann de Lieser un hire Schicksaler deelhuelen.

"Eng Sprooch räich u Biller a voller Rhythmus machen aus Zalto mortale en authentische Liesgenoss".  

Zalto Mortale wurde 2016 auf die short list des Luxemburger Buchpreises gesetzt.  

 

 

 

kremart, Kanephora, www.kremart.lu

 

 

Karamell verzielt d'Geschicht vum Jip Portonigro, Adoptivjong vun engem Téitenger Mineur. No engem trageschen Accident a senger Famill geréit de Jip aus der Bunn: hie gëtt ëmmer méi hin an hir gerappt tëscht der Léift zu senger Schwëster Yvette an der Sich no senge richtegen Elteren. No an no verléiert hien de Kapp a mecht sech mat sengem Frënd Kolber op eng Rees an d'Schwäiz, fir do endlech seng Originen erëmzefannen.   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ultimomondo, 2104

www.umo.lu

 

ISBN 978-2-919933-98-3




Fitbull 

 

Bichen, Spackelter, Mennieë mat schwaarze Kapen. Ruff emol. Wat dann? Däin Numm solls de ruffen. Steve. Méi haart! Steeeeheev! Lauschter emol. Héiers de net? Hopp. Hopp. Nä. Den Echo. Däin Echo. Hopp. Hopp. Hopp. Wat ass den Echo, Pappa? Weeër, Pied, Kéieren, däischter Wénkelen am Bësch, Lut a Grings: de Parcours ass gutt ofgestach, spannend ugeluecht. Hopp. Hopp. Ech si midd. Elo schonn? Allez, du hues der dach eréischt zwielef. Wat soll ech da soen, mat menge fofzeg? Hoppelen, lafen, gemittlech, strempelen, een, zwee, een, zwee, ronderëm, op an of. Dajee, dajee! Du wolls jo matlafen. Ech sinn duuuuschtereg, Pappa! Loft huelen, Otem zéien, d’Nues botzen, e bësse schweessen...Ech hätt gär eng Limenad...d’Strass këddelen, d’Gedäerms rëselen. Net stoe bleiwen. Herno gi mer een huelen. Mer sinn am Bësch elo. Virun! Wéi am Schlof tierkelen, d’Séil klunsche loossen, op fiichte Blieder joggen...et deet gutt. De Kapp gëtt fräi. D’Nues geet op. Et richt no Wakelter. Ech sinn och hongreg, Daddy. Virun, allez hopp. An ech si midd. Ech hunn d’Féiss wéi. Souer net esou vill. D’Longe wuessen, esou gutt deet et. Ei, ei, ei! Ech kann net méi, Pappa! D’Muskele platze bal, den Hals pärelt, d’Häerz deet e Spronk: Wat mécht dee Pittbull um Wee stoen? Firwat kuckt deen eis esou roueg un? Déi kleng, pickeg An boughéieren net. Mär och net. E Päifen. Kuerz. Et rifft een: Kënns de wuel! E Saz, e Blétz, de Bull ass fort! Virun...elo méi lues, ganz, ganz virsiichteg, nach vill méi lues. Gesäis de, Pappa, elo hues d’awer misse raschten!

 

***

 

 

Den Text gouf am Optrag vun der Administration de la nature et des forêts an dem Centre national de la litérature fir de Sentier des poêtes ronderëm den Tëtelbierg geschriwwen, am Kader vun der Année Internationale de la Forêt, 2011



Wéi Dag an Nuecht sinn dräi Erzielungen, an deene Mënsche laanscht Grenze reesen, baussen a bannen, villes entdecken, awer och ferm musse struewelen, fir net aus dem Gläichgewiicht ze geroden

  • Den Dauschtert
  • Dohanne ware mer doheem
  • Nuetsschicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ultimomondo, 2012

www.umo.lu

ISBN 978-2-919933-77-8



vergriffen

 

 

Amateur ist die Neufassung einer Hausarbeit, die der Sekunda II c im Escher Lycée de Garçons 1971 vom Deutschlehrer aufgegeben wurde.

Die rebellische Unruhe in Teilen der damaligen Schülerschaft und die Diskussionen um den Streik vom April desselben Jahres bilden den Erzählrahmen der überarbeiteten, historischen Fiktion.

 

Amateur wurde 2010 mit dem Europäischen Literaturpreis ausgezeichnet 

 

 

ultimomondo 2009

www.umo.lu

ISBN 978-2-919933-54-9


internationale Ausgaben von Amateur (von links nach rechts) 

Karpos Verlag, 2013, Serbien

dauphin Verlag, 2013, Tschechei

www.balkani.eu, 2012, Bulgarien

ars libris, 2017, Mazedonien  

Nap Kut Kiado, 2017, Ungarn

Fan Noli Publishing, 2017, Albania

Texte aus Amateur im Katalog der Preisüberreichung, 2010, sowie in Hällewull, eine slowenische Anthologie Luxemburger Literatur, 2014


Mon amour schwein ass eng Sammlung vu siechzeng Kurzgeschichten an Erzielungen, déi an de Joeren 2004 bis 2007 geschriwwe goufen.

Déi meescht Texter ginn de Fraen d'Wuert. Zu Diddeleng, zu Kolmerbierg, zu Arles oder soss entzwousch. Si schwätze vu Blessuren a vu Courage, Ënnerdréckung an onerwaarter Solidaritéit, vun Erotik, vun Onofhängegkeet, vu klenge Fräiheeten a groussen Dreem.

An anere Geschichten sti Kanner, Hibiskusmuseker oder Kranemaschinisten am Mëttelpunkt.

Alleguer verzielen s'och vun der Léift, deem ale Kontinent, wou ee sech esouguer mat Kaart a Kompass nach ëmmer verléiere kann.

 

 

 

 

 

ultimomondo 2007

www.umo.lu

 

ISBN 978-2-919933-34-1



 

 vergraff

E Buch iwwert eng Kannerzäit zu Diddeleng an de fofzeger Joeren.

Wollekestol verzielt en Deel Geschicht vum Auteur a senger Famill an der Schmiede des Südens. Perséinlech Erënnerungen, Fiktioun an d'historesch Industrie-a Stadkuliss ginn an engem fantasieräiche Roman madenee verstréckt. Et war d'Zäit vum Ëmbroch nom zweete Krich, wou de Glawen un de Fortschrëtt grouss geschriwwe gouf an d'Leit meeschtens net wollte bleiwen, wat se waren.

D'Erzielung ass awer och déi vum Jojo Kartheiser, dee seng Karriär als Schweesser ugefaangen hat a spéider e Monument fir d'Mineuren an d'Schmelzaarbechter opgeriicht huet.

Wollekestol ass e Bléck duerch e bakelitts Viewmaster op eng aussergewéinlech Zäit zu Lëtzebuerg.

 

ultimomondo 2003

www.umo.lu

ISBN 2-919933-13-2



Ausstellungskatalog Lieux et portraits au bassin minier, 1983 à 1987 , postface par Mars Klein