neue Erzählung

 

 

Der Nabel des Karpfens 

 

biotopische Verhaltensmuster in artfremdem Milieu

 

1.

In Niedersachsen, nahe der Residenzstadt Celle, geschah das Außergewöhnliche. Ich war einem Wildkarpfen begegnet. Einem tüchtigen, mittelschweren Cyprinus carpio,der sich schwebend, schwimmend in immer gleicher Position im Biotop hielt. Ungefähr einen Meter über dem schlammigen Grund. Und er sah mich an mit einem unruhig kippelnden Augenpaar. 

Ich war auf grobe Weise in sein Revier geplanscht. Keine Frage. Ich war nicht willkommen zwischen Sumpfdotterblumen und Schwertlilien. Dazu wollte ich kurz nur, auf ein Stündchen oder so, einige Exemplare der Gattung Hydrous piceus, also des Großen Kolbenwasserkäfers in seinem natürlichen Lebensraum beobachten. Ich hatte ferner gehofft, etlichen Kammmolchen zu begegnen, ihnen zuzusehen, wenn sie den Schlick zu zierlichen Wolken aufrührten.

Seine breiten Schuppen schillerten grünlich braun, mit einem Stich ins Blaue. Gegensatz gegen Satz: Er dort. Ich ihm gegenüber. Wir beide in einer Art Stillhaltevertrag. Er hätte sich mir mit der Schwanzflosse nähern und meiner Taucherbrille einen kräftigen Flatsch Klatsch Schlag versetzen können. Er hatte es nicht getan. Die vier Barteln an seinem Maul wedelten sanft. Es muss die Strömung sein“, dachte ich mir. 

Ich bewegte meine Fußgelenke sehr behutsam. Einem echten Wildkarpfen begegnet man schließlich nicht alle Tage.

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neue Kurzgeschichte

 

Mein post auf meinem Instagram account

 

 Es ist das Bildchen weder ein Aquarell noch ein ÖIgemälde. Eigentlich ist es eine leichtquirlig daherkommende Promenade. Sicher doch. Ich sehe, was vorbei ist. Der Ausblick folgt auf den Einblick. Das Ganze erfahren, gefühlt und gesnaptdurch das Auge des phone, wie im Auge eines Wirbels, der zieht, wohin es ihn treibt. Kurz gesharedan die Geistergemeinschaft der Namen und Silben, als da wären ‘folgt dir jetzt’, ‘abonniert’, ‘interessiert’ und pralle Pobacken. Vorbei schon ist er, der gepostete Pulsschlag. 

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european clouds

 

Preis der Mitglieder des Europäischen Parlaments  

 

Super, dieser Markt in meinem Stadtviertel. Er ist gebaut aus Ziegeln und Mörtel und Blech. Wir lieben seine Ziegel. Wir lieben die lieblose Bauweise, den Mörtel. Familiär kommen einem die Regale im Innern vor. Gut gefüllt, aus Gewohnheit. Matsch, so der Name der Düdelinger Ziegelhalle, oder Mätsch, erinnert an ein Fußball Match? So manches passt. Ich möchte Grillwurst kaufen. Toll wird das Wetter heute. Keine Wolke am Himmel. So toll. Ich könnte mich totlachen. 

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Text im Wettbewerb der EUPL Preisträger/Award Ceremony in Wien am 6 November 2018 Belvedere Palace, Prinz-Eugen-Strasse 27, Wien 

 


In dieser Minute vom 6. Mai 1976 zerstörte das Erdbeben 41 Ortschaften in den Provinzen Udine und Pordenone, wie Forgaria, Gemona, Venzone, San Daniele del Friul, Travesio - tötete 939 Menschen, zerstörte die Wohnungen von 32.000 Einwohnern vollständig, beschädigte jene von 157.000 Einwohnern schwer. 

Terremoto 

Orore 

Disastroso terremoto nel Friuli 

Centinaio di morte, miglioia di feriti 

Una scossa tellurica ha percosso ieri alle 21 tutta l'Italia del Nord e del Centroi 

 

 

Corriere Della Sera, Freitag, 7. Mai 1976. Schlagzeilen, Dokumentarisches, Fakten, Zahlen aus dem Friaul, von Mund zu Mund, von Presse zu Presse gereicht. Wie unnütze Palaver kamen sie Co vor. Die Natur ist in der Kälte geboren worden. Kehrt ins Dunkel der Kälte zurück. Co streckte seine Arme aus, wollte die Staubkörner in seinen Handflächen sammeln, als wären es winzige, zerplatzende Augen. 

 

Auszug aus L'arc di Marianna (Arbeitstitel) 

 

Der Roman l'arc di Marianna (Der Bogen der Marianna) erzählt die Geschichte des talentierten, kunstbegeisterten Steinpolierers Cosimo (Co), dessen schwangere Geliebte seit dem Erdbeben im Friaul vom 6. Mai 1976 verschollen ist.

Mit drei Freunden begibt er sich auf eine Odyssee, die ihn von San Daniele del Friuli quer durch Europa führt. Am Ende erwartet Co in Luxemburg der größte Auftrag seines Lebens. Sein von Rührseligkeit und Naivität geprägtes Weltbild wird u.a. wegen des Besuchs einer umstrittenen Aufführung von Modest Mussorgskis Bilder einer Ausstellung revisited in Frage gestellt. Cosimos Weg wird durchzogen von überraschenden und kuriosen, teils wundersamen Begegnungen. 

Der Roman erzählt von Leidenschaft und Liebe, von Emanzipation, von Heimat und Auswanderung, von menschlicher Würde und Ausbeutung, vom Stellenwert der friulanischen Sprache sowie von Erinnerungen an die Zeit des Faschismus während eines Ausflugs in das Geisterdorf Pàlcoda. Es sind Fahrtenan bekannte und namenlose Orte sowie in die politische und gesellschaftliche Situation Europas Ende der siebziger Jahre: ein Rückblick auf Mai 68, die bleierne Zeit in Italien, die zunehmende Bedeutung von Freundschaft und Solidarität angesichts eines ungebremsten Fortschrittglaubens.

 

 Il romanzo L'arc di Mariannaracconta la storia di Cosimo (Co), un talentuoso lucidatore di pietre ed esperto d'arte, la cui amata, incinta, è scomparsa all'epoca del terremoto avvenuto in Friuli il 6 maggio 1976.

Con tre amici, si imbarca in un'odissea che da San Daniele del Friuli lo porta attraverso tutta l’Europa. Alla fine giunge in Lussemburgo, dove Co riceve l'incarico più importante della sua vita. La sua visione del mondo, segnata dal sentimentalismo e dall'ingenuità, è messa in discussione, tra l'altro, dalla partecipazione a una rappresentazione, alquanto controversa, di Quadri di un'esposizionerevisiteddi Modest Mussorgski. Il percorso di Cosimo è segnato da incontri sorprendenti e curiosi, a volte miracolosi. 

 

Il romanzo parla di passione e di amore, di emancipazione, di patria ed emigrazione, di dignità umana e di sfruttamento, dell'importanza della lingua friulana e dei ricordi del tempo del fascismo durante una gita al villaggio fantasma di Pàlcoda. Sono viaggi in luoghi noti e posti sconosciuti, ma anche incursioni nella situazione politica e sociale europea alla fine degli anni settanta: una retrospettiva sul Maggio '68, gli anni di piombo in Italia, l'importanza crescente dell'amicizia e della solidarietà di fronte a un'incrollabile fiducia nel progresso.

Civica Biblioteca Guarneriana, San Daniele del Friuli  

Landschaft nahe San Daniele del Friuli, Sant Denêl, (furlanisch) Kulisse der Ortschaft, 2018  


 

Remember

Veröffentlichung des Centre national de littérature) 

 

aufbewahrt! Das literarische Leben in Selbstzeugnissen, Dokumenten und Objekten

 

 

Schnipsel, Schnitt und Leerspulen   

 

Kommentare  zum Luxemburger Amateurfilm »Die junge Magd«, gedreht 1978 nach der gleichnamigen Ballade von Georg Trakl

  

  

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Die Fotografien zeigen Portraits, Filmszenen, die Landschaft, vor allem, unser Bild der mächtigen Fichte mit der Mühle im Vordergrund. Das Wehr an der Sauer, rechts davon, leuchtet etwas heller. Sie sind Splitter eines bunten Projektes geblieben. Ich habe sie eingefärbt, deswegen. Ein bisschen fake dazu gemischt, weil Erinnerung sich immer in Gegenwart kleidet. Die Fichte gibt es nicht mehr. Auch nicht die Schmiede. Die Mühle wurde umgestaltet. Die Brücke über der Sauer: Wir haben sie aufgesucht, meine Frau Nänz und ich, um uns zu erinnern. Wie man den Grabstein eines lieben Verstorbenen aufsucht. Neben dem Brückenbogen wurden Szenen gefilmt. Mit allen Unzulänglichkeiten. Mit wenig Geld, vor allem, mit enormer Begeisterung.

 

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