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Der Ruhemelder

 

 

Es existieren in Wohnungen Unmengen von Dosen an Decken und Wänden, die den vielfältigsten Zwecken dienen: es sind die Brandmelder, die Monoxydmelder, die Mamaichkannnichteinschlafenmelder mit Blaulicht, die Bewegungsmelder, die Rolladenhochmelder mit Kaffeegeruch und in der Vulkaneifel sichern Lavamelder Schlafzimmer und Badezimmer der Einwohner. Luftqualitätsmelder, Trocken -und Feuchtigkeitsmelder, genauso wie Fett - und Überdrussmelder werden systematisch gebraucht. In den letzten Jahren hat sich die ansehnliche Palette dieser nützlichen Objekte um ein vielfaches erweitert: Auf dem Markt angeboten werden inzwischen Maulwurf-und Wühlmäusemelder, Spinnentracker mit lautem Aufschrei, sowie Maschendrahtmelder, die jeden nicht in Höhe und Breite genehmigten Zaunzentimeter zum Nachbarn sofort und ohne Vorwarnung an die zuständige Gartenzaunmelderbehörde weiterleiten.

 

Nun finde ich, dass ein besonderer Melder fehlt: Der Ruhemelder. Die Dose bleibt still wenn in der Wohnung das Radio lärmt, die Kinder plärren oder die Trommel der Waschmaschine trommelt. Sie wartet dienstbereit, wenn im Flur genagelt wird, wenn Türen knallen oder der Staubsauger wummert. Der Ruhemelder ist außer Dienst so lange der Vorrat an Lärm reicht. 

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unveröffentlichter Text

700 Wörter

4.900 Voll - und Leerzeichen 


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Schneefallgrenzen in Luxemburg   

 

Jeanne im Land der Überflieger und 

der Deckelsmouken 

  

 

Novelle

 

1.

 

E mail an Rita 

 

Beste Rita 

 

„Auf welche Weise glaubst du, Schwesterchen, hatten sie sich kennengelernt, die Eltern? Sie: „Gott, den mag ich!“ Er: „Ich spür das Flattern.“ Danach die Gänseblümchen: „Ich steh auf dich, du liebst mich nicht?“ 

Oder war es doch ganz anders? Was meinst du? Sie und er im Supermarkt. Sie im mittleren Gang zwischen amerikanischen Fleischkonserven und Hartbohnen. Er um die Ecke. Obwohl“, Jeanne musste lachen, als sie es in die Tasten takte, „es damals noch keine Märkte gab, mit prall gefüllten Regalen an schmalen Passagen. Oder war es die Bahnhofshalle, in der es passierte, gelegen am Kölner Dom zwischen Schutt und Trümmern? „Hätten Sie - könnten sie mir -? “ „Aber sicher doch, Fräulein, um 15,00 fährt er. Und um 16,30 der Nächste, an Gleis 7. Sie haben Zeit, Frau - Fräulein? Darf ich Sie zu einem Kaffee einladen?“ „Ich trink eh keinen Kaffee mit fremden Männern. Nur- “ „Nur?“ 

 

Jeanne schmunzelte.

 

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unveröffentlichte Novelle

+/- 44.000 Wörter

280.000 Voll- und Leerzeichen


 

Radeln für Ida 

 

Prolog

 

Die französische Provence zieren seit dem frühen Mittelalter Kapellen von vielerlei Beschaffenheit,ausgerichtet für die innere Einkehr und die Suche nach dem Weltfrieden. Manche Architekturen wurden in ihrer Form vollendet,  andere ohne besondere handwerkliche Fähigkeiten errichtet. Letztere geben dem interessierten Touristen mehr Rätsel auf, als dass sie für ihn geschichtliche Erklärungen parat hielten. So verhält es sich mit einem Kirchlein, abseits der Strecke gelegen, die von l'Isle sur la Sorgue über Cavaillon bis zu Saint Remy de Provence führt. Zur Tageszeit bleibt sie meist verschlossen. Des Nachts wird sie hin und wieder von einem Küster aus Roussillon le Village besucht. Das leicht trutzig wirkende Bauwerk kann der Romanik zugeordnet werden. Eine Besonderheit jedoch verwundert jeden Besucher. Anstelle einer Glocke im Bogen der Turmnische, wird die Lenkstange eines Fahrrads vom Wind bewegt, quietscht und knarzt über dem Eingang.

 

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unveröffentlichte Kurzgeschichte, 2020

85556 Voll und Leerzeichen

29 Seiten 


Neue Grenzer

 

 

In meiner Region im Süden Luxemburgs herrschte ehemals ein ausgeprägter Sinn, sich die Erde untertan zu machen und nach der Arbeit auf der Hütte oder in der Erzgrube der Natur und ihrem Wuchs nahe zu sein. 

Es handelte sich, der geneigte Leser ahnt es, um den Garten. Die versammelten Kleingärtner konnten von Offerten seitens der Hüttenherren oder Gemeinden profitieren. Die Anlagen am Käler Potto mit Weitblick über Léiffrächen und Grubeneingänge haben die Jahrzehnte überdauert. Sie wachsen heute noch in beachtlicher Ordnung. Sie ermuntern den passionierten Maschendrahtzüchter zum Tagesverbleib. Jede Übernachtung ist passé. Tomaten und Gurken brauchen den modernen Kunstdünger. Eingemachtes aus dem Nachttopf zu verteilen ist verpönt, weil mittlerweile strengstens untersagt. 

Nun möchte man sich gerne erinnern an die verbindenden Elemente solcher Aufenthaltsorte im Freien, entweder kleingärtnermässig organisiert oder bloss eingerichtet als ein Stück Freiraum im Hinterhof. Der Apfelbaum, der seine Äste zum Nachbarn spannt, das Loch im Zaun das Katze, Mäuse und Hühner frei herumlaufen lässt waren gelitten. Fachwissen und Warenaustausch, 'dir mein Kopfsalat, du mir deine Brokkoli' waren legendär und Garanten gutnachbarlicher Beziehungen zwischen Regenfass und Gartenhäuschen.

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unveröffentlichter Text, 2021 

4828 Voll-und Leerzeichen

2 Seiten